5 Gründe für globale Bildung: Ottmar von Holtz und Anja Hajduk

In dieser Interviewreihe kommen Menschen zu Wort, die sich für globale Bildung engagieren. Dies geschieht im Rahmen der Kampagne RAISE YOUR HAND, mit der sich die Globale Bildungspartnerschaft (GPE) für die Finanzierung und Transformation von Bildung in 90 einkommensschwachen Ländern einsetzt. Für die Arbeit in den Jahren 2021-2025 soll der GPE-Fonds um 5 Milliarden US-Dollar aufgefüllt und über innovative Instrumente weitere 3 Milliarden mobilisiert werden.

May 27, 2021 by GPE Secretariat
|
4 minutes read
|
5 Gründe für globale Bildung: Ottmar von Holtz und Anja Hajduk

Ottmar von Holtz ist Mitglied des Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen. Er ist Obmann seiner Partei im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und darüber hinaus ordentliches Mitglied im Unterausschuss Globale Gesundheit sowie Sprecher für Zivile Krisenprävention.

Anja Hajduk ist ebenfalls Grünen-Abgeordnete im Bundestag und Mitglied des Haushaltsauschusses. Im besagten Ausschuss ist sie u.a. als Berichterstatterin für den Entwicklungsetat zuständig. Sie setzt sich gemeinsam mit Ottmar von schon seit vielen Jahren dafür ein, dass Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit eine stärkere Berücksichtigung findet und Deutschland einen angemessenen Beitrag zur Globalen Bildungspartnerschaft leistet.

1. Frau Hajduk, warum setzen Sie sich immer wieder dafür ein, dass sich Deutschland international stärker im Bereich Grundbildung und der Globalen Bildungspartnerschaft engagiert?

Für mich ist klar: Jedes Kind gehört in die Schule, denn dort werden die Grundsteine für ein selbstbestimmtes Leben gelegt. Rechnen, Lesen und Schreiben ermöglichen nicht nur den Erwerb qualifizierter Berufe und sichern so die Existenz, die Schule stärkt auch die unabhängige Meinungsbildung und das eigenständiges Handeln. Grundbildung ist fundamental für persönlichen Wohlstand, mehr soziale Gerechtigkeit, für funktionierende Demokratien.

Dieses Pandemiejahr hat erneut deutlich gemacht, wie stark Bildungssysteme weltweit unter Druck geraten können und dass der Zugang zu Bildung fragil ist. In manchen Regionen sind es der ökonomische Druck oder Auswirkungen des Klimawandels wie Dürre, die vor allem Mädchen heraus aus der Schule und zurück zum Wasserholen, in den Haushalt oder in verfrühte Eheschließung gedrängt haben. Andernorts werden bewaffnete Konflikte zur Schließung von Schulen in ländlichen Regionen führen.

Die Globale Bildungspartnerschaft ermöglicht passgenaue Unterstützungen für unterschiedliche Kontexte und agiert da, wo es am meisten gebraucht wird. Deshalb ist ein stetiges und starkes Engagement Deutschlands für den weltweiten Zugang zur Grundbildung so wichtig.

2. Herr von Holtz, welche Rolle spielt die Bildung von Mädchen für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele und für den Weg hin zu mehr globaler Gerechtigkeit?

Mädchen sind überproportional von einem unzureichenden Zugang zu Bildung betroffen. Dies verhindert auch den weltweiten Aufbau geschlechtergerechter Gesellschaften. Bildung ist zentral, um soziale Ungerechtigkeiten zu bekämpfen und befähigt besonders Mädchen dazu, selbstbestimmt zu leben, gut bezahlte Arbeit zu finden und sich an politischen Prozessen zu beteiligen.

Darüber hinaus ist Bildung nicht nur ein fundamentales Menschenrecht und Schlüssel für Entwicklung, sondern Bildung kann auch eine hohe Friedensdividende liefern: Mehr Bildung bedeutet Empowerment und größeres gesellschaftliches Engagement, wie auch besseres Verständnis von Demokratie und Konfliktresolution, höhere gesellschaftliche Beteiligung und Toleranz.

Aus gut gebildeten Mädchen werden starke Frauen, die zu einer starken Gesellschaft beitragen. Mädchen profitieren in vielerlei Hinsicht vom Zugang zu Bildung. Sie heiraten im Schnitt drei Mal seltener in minderjährigem Alter, als Teenager werden sie seltener schwanger, sie sind besser vor Menschenhandel, Prostitution und Kinderarbeit geschützt.

3. Frau Hajduk, beim Weltbildungsgipfel (Global Education Summit) wird im Juli über die Finanzierung der Globalen Bildungspartnerschaft 2021-2025 diskutiert. Wie würde Ihrer Meinung nach ein angemessenes Engagement Deutschlands aussehen?

Für mich als Mitglied des Haushaltsausschusses ist klar: Wer mehr internationale Gerechtigkeit will, muss Bildung als das Fundament im Leben eines Menschen nachhaltig stabilisieren. Deshalb werden wir uns dafür einsetzen, dass die Wiederauffüllungskonferenz im Juli ein Erfolg wird und die GPE mindestens 5 Milliarden Dollar für die kommenden 5 Jahre sichern kann.

Dass die deutschen GPE-Mittel lange beharrlich bei 7 Millionen Euro pro Jahr stagnierten, haben wir Grüne jahrelang kritisiert. Unser Kampf hat sich gelohnt, denn erste Erhöhungen hat der Haushaltsausschuss 2018 beschlossen und der Beitrag konnte bis 2021 stufenweise auf 75 Millionen Euro erhöht werden.

Aus unserer Sicht müsste der jährliche deutsche Beitrag für die GPE jedoch bei 110 Millionen Euro liegen, das haben wir auch so beantragt. Diese Forderung halten wir auch für die kommenden Jahre aufrecht.

4. Herr von Holtz, was wünschen Sie sich für die Arbeit der GPE in den Jahren 2021-2025?

Ich wünsche mir, dass die GPE weiterhin breite Unterstützung in der internationalen Staatengemeinschaft findet. Die Bildungslücken, die durch die Coronakrise entstanden sind, müssen schnell geschlossen werden und dabei kann die GPE Unterstützung leisten.

Ich wünsche mir natürlich, dass in allen Regionen der Welt, unabhängig von geografischer Lage und kultureller Prägung, alle Kinder in die Schule gehen kann.

5. Eine Frage an Sie beide: Welcher Moment oder welche Person hat Sie während Ihrer Schullaufbahn so sehr positiv beeinflusst, dass Sie heute noch davon profitieren?

Anja Hajduk: Ich hatte einen total tollen Musiklehrer, dank ihm habe ich schon als junges Mädchen jegliche Angst verloren, vor einer ganzen Gruppe aufzutreten, ob Sprechen oder Singen. Davon profitiere ich als Politikerin natürlich noch heute.

Ottmar von Holtz: Meine Schulzeit hatte ich in Namibia in einer deutschen Auslandsschule verbracht. Aufgrund der damals in Namibia noch geltenden Apartheidsgesetze der Südafrikaner waren nur weiße Kinder in der Schule zugelassen. Prägend waren für mich die ersten Jahre während die Apartheid schrittweise aufgehoben wurde. Der erste Junge, der nicht Weißer war, kam in meine Klasse. Ich kann mich noch an die damit verbundene Aufbruchstimmung erinnern, Bildung für alle und nicht exklusiv nur für einige Menschen zu ermöglichen. Fortan habe ich mich stets dafür eingesetzt, dass Schul- und Berufsausbildung für alle Menschen zugänglich zu machen.

Ottmar von Holtz und Anja Hajduk machen mit bei #RaiseYourHand und unterstützen die GPE-Finanzierungskonferenz
Ottmar von Holtz und Anja Hajduk machen mit bei #RaiseYourHand und unterstützen die GPE-Finanzierungskonferenz.
Post a comment or
Financing 2025
Europe and Central Asia: Germany

Latest blogs

Leave a comment

Your email address will not be published. All fields are required.

The content of this field is kept private and will not be shown publicly.

Plain text

  • Global and entity tokens are replaced with their values. Browse available tokens.
  • No HTML tags allowed.
  • Lines and paragraphs break automatically.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.